Was wird aus Kosovo? Der Sicherheitsrat will entscheiden

Knapp acht Jahre nach dem Einmarsch der NATO-Truppen in die serbische Provinz Kosovo steht deren “Unabhängigkeit” unmittelbar bevor. Nun will der UN-Sicherheitsrat darüber entscheiden. Ein russisches Veto ist höchst wahrscheinlich.

Die USA ließen verlauten, sie würden Kosovo auch bei einer einseitigen Abspaltung als unabhängigen Staat anerkennen. Dass nach einem russischen Veto diese einseitige Erklärung folgen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

“Wen kümmert´s”, könnte man denken, stünde man nicht vor einem gefährlichen Präzedenzfall: Es gibt weltweit mehr Minderheiten als Staaten. Und wieso sollte das Recht auf Abspaltung dann nur den Kosovo-Albanern zustehen? Außerdem stellt die von außen aufgezwungene Zerstückelung eines Staates, der Mitglied der Vereinten Nationen ist, einen klaren Bruch des Völkerrechts dar. Geschweige denn die Tatsache, dass die demokratisch legitimierte Verfassung Serbiens den Kosovo eindeutig als serbisches Territorium definiert.

Wem das alles zu abgehoben ist, der kann sich die aktuelle Situation im Kosovo selbst anschauen: 250 000 Menschen sind in den letzten Jahren durch albanische Extremisten vertrieben, wenn nicht umgebracht, worden. Vor allem Serben, aber auch zahlreiche Roma, Goraner (muslimische Slawen) und Türken. Die verbliebenen Minderheiten fristen ein erbärmliches Dasein in abgeschotteten Ghettos. Dies ist alles unter der Aufsicht der Nato-Truppen geschehen. Man. braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was geschehen wird, wenn der geringe Schutz, welchen die Besatzer gelegentlich noch garantieren konnten, auch noch wegfällt.

Die westliche Balkanpolitik ist ein von vielen Linken sträflich vernachlässigtes Thema. Was zu Beginn der Zerschlagung Jugoslawiens noch die Sache reaktionärer Kroatien-Freunde, wie dem ehemaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” oder der bayrischen CSU war, weitete sich spätestens mit dem Beginn des Bürgerkriegs in Bosnien zu einer breit angelegten antiserbischen Hetzkampagne aus, an welcher sogenannte NGOs genauso beteiligt waren wie die US-amerikanische Regierung oder islamistische Mujaheddin.

Veröffentlicht bei:

Unsere Zeit, 29. Juni 2007

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